© 2011 Andreas Lippert Brisbane

Goodbye Australia

Broome. Palmen, weiße\rote Strände, das hellblauste Meer, Mangroven, Mangobäume, etwas  an Afrika erinnernde grüngelbe Steppen mit vereinzelten Kimberleybäumen (feeeetter Stamm und sehr dünne, kurze Äste in der Krone), Aborigines. Mit Sicherheit einzigartig auf dieser Welt. Hier habe ich, mit einer Woche Unterbrechung in den nördlichen Kimberleys und 3 Wochen auf dem Schiff, annähernd 2 Monate verbracht. Irgendwie ist es für mich zu sowas wie der „Heimat fernab der Heimat“ geworden. Ich habe in einem wirklich tollen Hostel mit wirklich tollen Menschen gelebt, mit welchen ich 2 Monate verbracht habe. Weil ein Großteil der Rucksackreisenden Broome zum „ein Weilchen bleiben und Geld jagen“ auswählt gibt es sowas wie einen Stamm von Leuten die einfach immer da sind, eine schöne Abwechslung zu den sonst eher an der Tagesordnung stehenden 2-Tages-Bekanntschaften. Zudem ist Broome fernab jeglicher größerer Tourismusgebiete, was irgendwie dafür sorgte, dass ich in den 2 Monaten dort sage und schreibe einen anderen Deutschen getroffen habe, ansonsten sind hier eher Koreaner, Taiwanesen und ein paar Italiener und Franzosen stark vertreten. Wenn man für eine lange Zeit an einem Ort bleibt, arbeitet, einkaufen geht, Dinge unternimmt, lernt man diesen völlig anders kennen als normale Touristen. Man kennt sich aus, weiß was man wo günstiger bekommt und wann man wo was machen kann, kennt die schönen Ecken die einem durchreisenden vielleicht verborgen bleiben. Als ich Anfang März in Broome ankam war Wet-Season(Regenzeit), eine von 2 Jahreszeiten in Äquatornahen Gebieten wie Nordaustralien. Wet-Season bedeutet extrem schwüle Hitze, Tagsüber Sonnenschein und gegen Abend die gewaltigsten Gewitter die man sich vorstellen kann, ab und an mal ein Cyclone, kaum Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht, viele Mosquitos, wenig Touristen, günstige Preise. In der letzten Woche setzte innerhalb von wenigen Tagen die Dry-Season(Trockenzeit) ein, das Meer kühlt innerhalb weniger Tage von 33°C auf 24°C, die Luft wird Trocken, es gibt während der nächsten 6 Monate weder Wolken noch Niederschlag, die nächtlichen Temperaturen sinken auf etwa 19°C – 22°C und eine Invasion von Libellen merzt innerhalb weniger Tage jegliche Mosquitos aus, Touristen fluten den Ort und die Preise schießen in den Himmel (Was mich einmal mehr zum Campen trieb). In Broome sorgen Meer auf Ost- UND Westseite, schöne Strände, 10 Meter Gezeitenunterschied und seichter Meeresgrund(was für stellenweise über 1 Kilometer mehr Strand bei Ebbe sorgt) für die schönsten Sonnenunter- und Mondaufgänge die ich je gesehen habe. Nicht selten waren wir abends erst am Strand im Westen um den spektakulären Sonnenuntergang zu genießen und sind anschließend an den Oststrand gefahren um den Mondaufgang zu betrachten, was hier wirklich etwas Besonderes ist(durch den nassen Sand und das zurückgehende Wasser entsteht eine „Staircase to the Moon“ genannte optische Täuschung). Broome ist wohl einer der entspanntesten Orte Australiens, nicht umsonst gibt es hier den Begriff „Broome Time“. Ein Beispiel für Broome Time: Wenn der Arbeitgeber sagt:  „Sei morgen um 8 Uhr bei der Arbeit.“, dann sollte ich morgen um 8 Uhr bei der Arbeit sein. Heißt es aber: „Sei morgen um 8 Uhr bei der Arbeit – Broome Time.“, macht es nichts wenn ich vielleicht eine halbe Stunde später da bin. Und somit ist hier der Begriff „Broome Time“ ziemlich geläufig. Man verabredet sich für 10 Uhr morgens am Strand – Broome Time. Man verabredet sich zum gemeinsamen Essen kochen um 19 Uhr – Broome Time.  Broome Time – Kein Stress.

Australien. Bevor ich nach Australien kam hatte ich keine exakten Erwartungen an das Land oder die Reise an sich, auch kein exakter Plan stand auf dem Zettel. Ich wollte mein Englisch verbessern, Menschen aus anderen Ländern kennenlernen, schöne Schöpfung bewundern, spannende Dinge erleben, lediglich als grobe Erwartungsskizze. Gestartet hat das Abenteuer mit einem eher unguten Gefühl. Nachdem ich meine Familie beim Sicherheits-check-in hinter mir gelassen hatte und alleine auf einer Bank am Gate des Frankfurter Flughafens saß, der nächtliche Regen leicht gegen die Scheibe schlug und ich die letzten „Pass auf dich auf“ SMS empfing, war mir irgendwie gar nicht so nach Abenteuer zumute, meine Stimmung war eher ein bisschen bedrückt. Ich wusste nicht genau was mich am anderen Ende der Welt erwartet, wie das alles laufen soll und der Abschied von Freunden und Familie begann langsam irgendwie real zu werden. Das einzige was ich in diesem Moment so wirklich wollte war endlich mit dem Flugzeug abheben damit ich Walts Gedicht lesen durfte. Der erste Stopp der Reise war Singapur. Das ging schon mal gut los, nachts alleine irgendwo in einer völlig fremden Stadt auf der Suche nach einem Platz zum schlafen. Aber ich fand’s nicht schlimm, war auf jeden Fall mal eine Erfahrung und ich konnte mir, während ich da Nachts ohne Plan durch die Gassen irrte, müde, vollbepackt und schwitzend, ein leichtes lächeln irgendwie nicht verkneifen. Nach Singapur ging’s weiter ins langsam mit Wasser volllaufende Brisbane. Die Jahrhundertflut zu überstehen war auch mal ein Erlebnis.
Wie ich mir die ganze Reise ungefähr vorgestellt habe bevor ich nach Australien aufbrach: Ich wollte von Brisbane aus nach ein paar Tagen nach Sydney fliegen, von dort mit dem Bus aufs Land fahren, für 2-3 Monate auf einer Farm arbeiten und zum Abschluss meiner Reise nach Cairns ziehen und ein bisschen Sonne, Strand und Meer genießen. Wer immer schön fleißig meinen Blog verfolgt hat wird nicht umhin kommen zu bemerken, dass ich diesen Plan nicht im Ansatz umgesetzt habe. Ich bin nicht in Cairns gewesen, ich bin nicht am Anfang meiner Reise nach Sydney geflogen und ich habe nie einen Fuß auf eine Obstfarm gesetzt. Stattdessen flog ich 5 Tage nach meiner Ankunft spontan mal eben an die Westküste(basierend auf der Wettervorhersage), nahm spontan mal eben einen Zug ins Outback, wollte von da aus eigentlich in den Südosten, bin aber irgendwie am Ende im Nordwesten gelandet. Ich habe im Outback an der größten Mine der Welt(naja, um erhlich zu sein eher in Sichtweite dessen im Dreck gebuddelt), in einem Aboriginedorf im Dschungel, in einem kleinen Ort auf einer wunderschönen Halbinsel und auf einem Schiff gearbeitet. Ich habe meinen Tauchschein gemacht, bei Australiern auf der Couch geschlafen, 2 Cyclone überstanden, einen Hai an der Angel gehabt, Krokodil gegessen, eine King-Brown-Snake überfahren, über 1000 Kilometer getrampt und viele interessante\witzige\gute Menschen aus aller Welt kennengelernt. Ich hatte eine gute Zeit in Australien, besser als ich es je für möglich gehalten hätte. Alles was passiert ist, ist so wie es lief am besten gewesen, auch wenn ich es vielleicht nicht so „geplant“ habe. Ich hätte nie gedacht dass ich in der kurzen Zeit derart viel erleben würde. Im Endeffekt bin ich froh alles spontan einfach so gemacht zu haben, wie es mir gerade in den Sinn kam, feste Pläne setzen mich irgendwie nur unter Druck. Das es mir meine Kamera zerscheppert hat ist natürlich tragisch. Am Anfang gab es häufiger mal Momente so nach dem Motto „Ouuuh fett, eine Seeschlange, gleich mal meine…aaaah…ich hab gar keine Kamera mehr…“. Aber das hat auch seine positive Seite: Ich habe die Welt zuvor vielleicht ein bisschen zu häufig durch den Sucher der Kamera gesehen, auf der Jagd nach einem guten Motiv ohne so wirklich zu verinnerlichen was ich da vor mir habe. Jetzt, so ganz ohne Ablichtungsgerät nehme ich ganz entspannt alles um mich herum auf und versuche es einfach irgendwo in meinem Kopf zu speichern.

Ich dachte dass mein Verlangen zu Reisen gestillt werden würde wenn ich ein paar Monate durch Australien reise. Das war eine ganz große Fehlannahme! Man trifft Rucksackreisende die für ein paar Monate in Südamerika waren, Indien, Nepal, Südostasien…und kann sich auf einmal für die halbe Welt begeistern. Jedenfalls nehme ich jetzt erst mal Südostasien in Angriff.

Singapur. Dieselbe Stadt\das selbe Land wie vor knapp 4 Monaten, nur eine völlig andere Situation. Wo ich mich zuvor unerfahren und ohne Plan ins Ungewisse stürzte, stürze ich mich jetzt unerfahren und ohne Plan ins Ungewisse. Nagut, völlig anders ist die Situation jetzt nicht, aber Fakt ist dass ich mich beim ersten Mal Singapur von Deutschland wegbewegte während ich mich dieses Mal meiner trauten Heimat wieder etwas annähere.  Meine neueste Mission ist es nun auf einmal Südostasien zu erschließen. Irgendwie fangen alle Orte mit Ko an und hören mit nang und ao wieder auf. Verwirrend, aber mit all der antrainierten Geduld und Spontanität sollte auch das zu meistern sein. Wenn ich in Singapur lande werde ich mit dem Zug nach Malaysiern fahren und von der Grenze wird’s schon irgendeinen Bus oder Zug geben der mich weiter führt. Eine exakte Route habe ich noch nicht festgelegt, ich weiß nur das ich wieder tauchen und durch den Dschungel wandern will, alles weitere sehe ich dann spontan wenn ich unterwegs bin…

So sehr ich meine Zeit auf Achsen auch genieße und am liebsten noch mindestens weitere 5-6 Monate durch die Weltgeschichte ziehen würde, so sehr weiß ich zu schätzen was ich an meiner Heimat habe, weiß ich zu schätzen um all die Gebete die für mich gesprochen werden, all die Mails und die Unterstützung die ich von Freunden, Familie, Gemeinde erhalte.
In Asien werde ich kein Handy mehr haben, der Internetzugang wird voraussichtlich auch eher beschränkt sein also macht euch keine Sorgen wenn ihr vielleicht mal 2-3 Wochen kein Lebenszeichen von mir erhaltet. Meinen nächsten Artikel werde ich veröffentlichen wenn ich in Kuala Lumpur bin am 27. April – Broome Time.

Zahlen und Fakten:
Ich habe an 28 verschiedenen Plätzen geschlafen(10 Hostel, 6 Campingplätze, 4 Wildcampingplätze, 2 Flughäfen, ein Strand, ein Nationalpark, ein Roadhouse, ein Schiff, ein Haus, ein Workcamp), habe innerhalb Australiens 10600 Kilometer mit dem Flugzeug, 1200 Kilometer mit dem Zug, 500 Kilometer mit dem Bus und 4600 Kilometer mit dem Auto zurückgelegt, die tägliche Durchschnittstemperatur lag bei 32,9°C mit 7 Bewölkten, 14 teilweise Bewölkten, 2 Sturm und 83 Sonnentagen.

UPDATE:
Hab mir am 2. Tag in Sydney(Leider dem mit schlechtem Wetter) eine neue Kamera zugelegt. Bildqualitativ nicht gerade berauschend aber deppensicher(wasserdicht usw.). Bin gerade in Singapur angekommen, wahrscheinlich gehts morgen weiter nach Kuala Lumpur. Bilder folgen, kann gerade irgendwie nichts hochladen…

11 Comments

  1. Richy
    Posted 25. April 2011 at 19:36 | #

    Hey Andy,

    gut mal wieder was zu lesen! Wenn ich deinen Beitrag so lese, freu mich echt für dich, dass du den Trip gemacht hast und es dir so gut erging. Aber auch darauf dich in nicht allzu ferner Zukunft wieder hier zu haben.

    Nepal und Südamerika bin ich dann dabei …

    • Andreas Lippert
      Posted 28. April 2011 at 09:51 | #

      Ja fett Richy!
      Du hast übrigens immernoch die Möglichkeit in Südostasien zu mir zu stoßen! Buch einen Flug und ab gehts!

  2. Geli
    Posted 25. April 2011 at 19:36 | #

    wunderschön! beeindruckend! ansteckend! :)

    • Andreas Lippert
      Posted 28. April 2011 at 09:52 | #

      :-)

  3. Dana
    Posted 26. April 2011 at 10:12 | #

    ich will auzch mit nach südamreika!! ihr braucht doch einen dolmetscher ;-)

    • Andreas Lippert
      Posted 28. April 2011 at 09:54 | #

      Sorry Dana, aber aus der Erfahrung muss ich sagen dass Männer, auch was Reisen angeht, deutlich unkomplizierter sind als Frauen und somit eher zu meinem Reiseprofil passen. Außerdem reicht mein Spanisch zum Überleben auch aus ;)

      • Dana
        Posted 28. April 2011 at 11:03 | #

        du bist ja richtig gemein!!! außerdem hadst du mir grade meinen traum zerstört :(

        du bist gemein! ;-)

  4. Wowa
    Posted 26. April 2011 at 16:55 | #

    Hey Andy,
    lange nichts mehr von dir gehört…deine Berichte sind echt genial und verführen einen mal echt nach Australien zu reisen!!

    Mach nun den Südostasien unsicher :)

    Gruß
    Wowa

    • Andreas Lippert
      Posted 28. April 2011 at 09:55 | #

      Wowa!
      Na nichts wie los! du bist doch bald fertig mit Zivi, dann kannste gleich mal das gesparte Zivigeld ins Ausland blasen!

  5. Jessi
    Posted 27. April 2011 at 22:01 | #

    Andyyy,
    endlich wieder ein Eintrag von dir! War schon voll gespannt,was du die nächsten Wochen noch so vor hast. Was du in Australien alles erlebt hast,ist richtig hammer! Ich freu mich schon total, wenn du wieder da bist und uns noch mehr erzählen kannst. Ich will alles wissen! Hoffentlich erkennen wir dich dann noch wieder, wenn du bärtig und schwarz bist ;D
    Die durchschnittlichen 32°C wirst du,wenn du wiederkommst, wahrscheinlich nicht hier vorfinden,aber es wird langsam auch in Deutschland wieder schön! (Jetzt gerade gar nicht,denn es ist mitten in der Nacht und über Wolfsburg hängt das üüübelste Gewitter überhaupt!-.-)
    Irgendwie ist es immernoch unreal,dass du bei den ganzen Aktionen,die so in letzter Zeit abgegangen sind, nicht dabei warst… voll komisch,sich immer wieder vor Augen zu halten,dass du gerade am anderen Ende der Welt bist und sonst wo schläfst oder arbeitest ;)
    Aber ich bin richtig froh,dass es dir dort drüben gut geht und deine Reise bis jetzt so geil verlaufen ist,gerade weil so viel spontan abgelaufen ist. ;)
    So und jetzt wünsche ich dir noch für den letzten Abschnitt deiner wunderbaren Reise Gottes Segen und viel Freude und wir werden noch ganz viel an dich denken! (Auch wenn wir Mädels nächste Woche unsere mündliche Prüfung haben und ich riiichtig Angst hab! ;) )
    Also pass noch gut auf dich auf und genieß den Endspurt :)
    LG
    Jessi

    • Andreas Lippert
      Posted 28. April 2011 at 09:59 | #

      Jessi!
      Für mich wars auch komisch nicht z.B. bei der Jugendfreizeit oder Ostersingen dabei gewesen zu sein. Das mit der mündlichen Prüfung packt ihr schon, werde an euch denken! Das ist nochmal besser als die schriftlichen Prüfungen, weniger Zeit und nur rumlabern! Easy! :)

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